
Der Markt ist attraktiv, das Produkt ist fertig, der Container ist gebucht – und dann steht die Ware im Hafen, weil eine Nummer fehlt. Dieser Beitrag ordnet die vier Registrierungen, die ausländische Händler für Amazon.de in aller Regel brauchen, und sagt, welche davon Sie vor der ersten Lieferung erledigt haben müssen.
Die Reihenfolge, die Zeit spart
- Deutsche Umsatzsteuer-Registrierung beantragen – dauert am längsten, deshalb zuerst.
- EORI-Nummer beantragen – geht schnell, wird aber für jede Einfuhr gebraucht.
- LUCID-Registrierung plus Systembeteiligung – ohne diese Nummer verlangt Amazon Nachweise.
- WEEE / Batterien, sofern Ihre Produkte darunter fallen – hier ist ein Bevollmächtigter in Deutschland nötig.
Erst danach: Ware auf den Weg bringen.
1 · Deutsche Umsatzsteuer-Registrierung
Der Punkt, der die meisten überrascht: Sobald Sie Ware in Deutschland lagern, brauchen Sie in aller Regel eine deutsche umsatzsteuerliche Registrierung – unabhängig davon, wie viel Sie verkaufen. Das gilt für FBA-Bestand in einem Amazon-Lager genauso wie für Ware, die bei einem Prep Center oder in einem eigenen Lager liegt.
Das OSS-Verfahren (One-Stop-Shop) ersetzt diese Registrierung nicht. OSS vereinfacht die Meldung grenzüberschreitender Verkäufe an Privatkunden aus einem Lagerland heraus – es befreit Sie aber nicht von der Registrierung in dem Land, in dem Ihre Ware physisch liegt.
Aus der Registrierung folgt eine deutsche Steuernummer und – auf Antrag – eine USt-IdNr. Amazon verlangt diese Angaben im Verkäuferkonto; fehlen sie, kann der Verkauf eingeschränkt werden. Rechnen Sie je nach Finanzamt mit mehreren Wochen bis Monaten Bearbeitungszeit.
Für Händler außerhalb der EU kommt hinzu, dass Amazon in bestimmten Konstellationen die Umsatzsteuer als sogenannter fiktiver Lieferer selbst einbehält und abführt. Das ändert nichts an Ihrer Registrierungspflicht für die Lagerung.
2 · EORI-Nummer für die Einfuhr
Die EORI-Nummer (Economic Operators Registration and Identification) ist die Kennnummer, unter der der Zoll Wirtschaftsbeteiligte führt. Ohne EORI wird keine Einfuhranmeldung abgegeben. Sie beantragen sie beim Zoll; in Deutschland ist die Beantragung kostenlos und dauert üblicherweise wenige Tage bis Wochen.
Wichtig: Die EORI-Nummer gehört zu dem Unternehmen, das als Einführer auftritt – siehe den Abschnitt zum Importeur weiter unten.
3 · LUCID / Verpackungsregister
Wer Verpackungen in Deutschland in Verkehr bringt – also Produktverpackungen, Umverpackungen und Versandkartons –, muss sich vor dem ersten Inverkehrbringen bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) im Register LUCID registrieren und sich an einem dualen System beteiligen. Beides gehört zusammen: Die Registrierung allein genügt nicht.
Amazon fragt die LUCID-Nummer im Verkäuferkonto ab. Fehlt sie, drohen Einschränkungen des Angebots. Die Registrierung ist kostenlos und in Ihrem Namen vorzunehmen – ein Dienstleister kann das nicht für Sie „mitmachen“, weil die Registrierung an den Hersteller im Sinne des Gesetzes gebunden ist.
Seit dem 12. August 2026 gilt zusätzlich die EU-Verpackungsverordnung PPWR. Was sich dadurch ändert, steht in unserem Beitrag PPWR seit August 2026.
4 · WEEE und Batterien
Verkaufen Sie Elektro- oder Elektronikgeräte, greift das ElektroG: Registrierung bei der stiftung elektro-altgeräte register (stiftung ear) vor dem ersten Anbieten, mit einer WEEE-Registrierungsnummer je Marke und Geräteart. Händler ohne Niederlassung in Deutschland benötigen dafür einen Bevollmächtigten mit Sitz in Deutschland.
Enthalten Ihre Produkte Batterien oder Akkus – auch fest verbaute –, kommt das Batteriegesetz hinzu, ebenfalls mit Registrierungspflicht. „Da ist nur eine kleine Knopfzelle drin“ ist kein Ausnahmetatbestand.
Wer ist Importeur? Der wichtigste Punkt
Die Frage, an der die meisten Lieferungen tatsächlich hängen bleiben, lautet nicht „welche Nummer fehlt“, sondern: Wer tritt gegenüber dem Zoll als Einführer auf?
- Der Einführer (Importer of Record) haftet für die korrekte Einfuhranmeldung, für Zölle und Einfuhrumsatzsteuer sowie für die Produktkonformität.
- Ein Unternehmen ohne Sitz in der EU kann diese Rolle nicht ohne Weiteres selbst ausfüllen – üblich ist die Einschaltung eines Zollagenten als indirekter Vertreter oder eine eigene EU-Gesellschaft.
- Ein Prep Center ist nicht automatisch Ihr Importeur. Wir nehmen Ware entgegen, bearbeiten sie und liefern sie an Amazon ein – wir treten aber nicht als Einführer auf und übernehmen keine zollrechtliche Haftung für Ihre Sendungen.
Klären Sie diese Rolle mit Ihrem Spediteur, bevor der Container ausläuft. Eine Sendung, die im Hafen ohne benannten Einführer ankommt, verursacht Standgeld – und das läuft pro Tag.
Was ein Prep Center übernimmt – und was nicht
| Aufgabe | Wer |
|---|---|
| Umsatzsteuer-, EORI-, LUCID- und WEEE-Registrierung | Sie bzw. Ihr Steuerberater und Bevollmächtigter |
| Einfuhr und Verzollung | Ihr Spediteur / Zollagent |
| Deutsche Lieferadresse für Ware und Retouren | Wir |
| Wareneingang, Stückzahlkontrolle, Zustandsprüfung mit Fotos | Wir |
| FNSKU-Etikettierung, Polybag, Bundling, Umverpackung | Wir |
| Zwischenlagerung und Einlieferung an Amazon FBA | Wir |
| Shipping Plan in Seller Central anlegen | Sie – wir haben keinen Zugriff auf Kundenkonten |
Die Arbeitsteilung ist bewusst so geschnitten: Alles, was eine Registrierung auf Ihren Namen voraussetzt, bleibt bei Ihnen. Alles, was physisch mit der Ware passiert, übernehmen wir.
Stand: 18. August 2026. Amazon ändert Anforderungen und Gebühren regelmäßig – maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung in Seller Central. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.