
Die falsche Rechnung
Fast jeder Händler, der zum ersten Mal über ein Prep Center nachdenkt, rechnet so: „0,79 € pro Einheit mal 500 Einheiten sind 395 €. Das mache ich lieber selbst.“ Diese Rechnung ist nicht falsch – sie ist nur unvollständig. Sie vergleicht einen Preis mit null, statt zwei Kostenblöcke miteinander.
Selbermachen ist nicht kostenlos. Es kostet Zeit, Material, Lagerfläche und – der teuerste Posten – Fehler. Die ehrliche Frage lautet: Was kostet mich eine Einheit, wenn ich sie selbst vorbereite, alles eingerechnet?
Was Selbermachen wirklich kostet
Fünf Posten, die in der Kalkulation auftauchen müssen:
- Ihre Arbeitszeit. Eine geübte Person schafft bei einfachen Artikeln etwa 60–120 Einheiten pro Stunde (etikettieren, polybaggen, in den Versandkarton packen). Bei Bundles, empfindlicher Ware oder Sets sind es deutlich weniger.
- Material. Polybeutel in zulässiger Stärke, Luftpolsterfolie, Etiketten, Versandkartons, Klebeband, Füllmaterial. Im Kleineinkauf zahlen Sie hier ein Vielfaches dessen, was ein Betrieb zahlt, der palettenweise bestellt.
- Fläche. Ein Kubikmeter Ware im Wohnzimmer ist gratis. Zwanzig Kubikmeter sind es nicht – spätestens dann mieten Sie an, und die Miete läuft auch in schwachen Monaten weiter.
- Wege. Anfahrt zum Paketshop oder Warten auf die Spedition, pro Sendung, immer wieder.
- Fehlerkosten. Der Posten, den niemand einplant – dazu unten mehr.
Rechenbeispiel: 500 Einheiten
Nehmen wir einen typischen Fall: 500 Einheiten eines einfachen Artikels, die etikettiert, in einen Polybeutel verpackt und als FBA-Sendung an Amazon geschickt werden. Die Annahmen stehen offen daneben – ersetzen Sie sie durch Ihre eigenen.
| Posten | Annahme | Kosten |
|---|---|---|
| Arbeitszeit | 80 Einheiten/Std. → 6,25 Std., bewertet mit 25 €/Std. | 156,25 € |
| Material | Polybeutel, Etiketten, Kartons, Klebeband im Kleineinkauf | ca. 60,00 € |
| Wege / Übergabe | 1 Std. inkl. Fahrt und Wartezeit | 25,00 € |
| Fläche | anteilig, wenn Sie ohnehin Lager zahlen | variabel |
| Summe selbst | ohne Fehlerkosten | ca. 241 € = 0,48 €/Einheit |
Auf dem Papier gewinnt das Selbermachen – solange Ihre Stunde 25 € wert ist, nichts schiefgeht und Sie die Fläche ohnehin haben. Setzen Sie Ihre Stunde mit 60 € an, weil Sie in dieser Zeit Produkte recherchieren, Listings optimieren oder mit Lieferanten verhandeln könnten, dreht sich das Ergebnis: dieselbe Sendung kostet Sie dann rund 0,94 € pro Einheit.
Der ehrliche Maßstab ist nicht Ihr Mindestlohn, sondern das, was Sie in derselben Stunde sonst verdient hätten. Wer 6 Stunden etikettiert statt einen Lieferanten zu verhandeln, zahlt den teuersten Stundensatz im Unternehmen.
Was ein Prep Center kostet
Unsere Preise sind netto und öffentlich – Sie müssen dafür kein Angebot anfordern:
| Leistung | Einheit | Preis |
|---|---|---|
| FBA Komplett-Prep | pro Einheit | 0,79 € |
| Nur FNSKU-Etikettierung | pro Einheit | 0,39 € |
| Qualitätskontrolle | pro Einheit | 0,25 € |
| Polybag-Verpackung inkl. Material | pro Einheit | 0,29 € |
| Wareneingang Karton (mit Prep) | pro Karton | 0,00 € |
| FBA Karton-Handling (Ausgang) | pro Karton | 2,90 € |
Für die 500 Einheiten aus dem Beispiel: 500 × 0,79 € = 395 € Komplett-Prep, plus Karton-Handling für den Ausgang. Wer nur etikettieren lässt und selbst verpackt, zahlt 500 × 0,39 € = 195 €. Es gibt keine Mindestmenge an Einheiten, sondern nur einen Mindestauftragswert von 25,00 € netto je Prep-Auftrag – und für die ersten beiden Lieferungen einen Neukundenrabatt von 10 % und 5 %.
Den vollständigen Vergleich mit Ihren eigenen Mengen rechnen Sie in zwei Minuten im Kostenkalkulator durch.
Wann Selbermachen die bessere Wahl ist
Wir verkaufen Prep-Leistungen – trotzdem ist die ehrliche Antwort manchmal „machen Sie es selbst“:
- Kleine Testmengen. Bei 30 Einheiten eines neuen Produkts lohnt der Transportweg zu uns oft nicht. Testen Sie erst, skalieren Sie danach.
- Sehr erklärungsbedürftige Handgriffe. Wenn jede Einheit eine Sichtprüfung braucht, die nur Sie leisten können, weil Sie das Produkt entwickelt haben.
- Freie Zeit ohne Alternative. Wer nebenberuflich startet und abends ohnehin Zeit hat, für die es keinen anderen Verwendungszweck gibt, kalkuliert anders.
- Ware liegt bereits bei Ihnen. Bestand, der schon in Ihrem Lager steht, noch einmal quer durch Deutschland zu fahren, ergibt selten Sinn.
Wann sich Auslagern rechnet
- Der Container kommt direkt aus Asien. Dann geht die Ware ohnehin an eine Adresse in Deutschland – und Ihre Wohnung ist die falsche.
- Ab etwa 300–500 Einheiten pro Monat regelmäßig. Ab da ist Prep kein Nebenbei mehr, sondern ein zweiter Job.
- Sie sitzen nicht in Deutschland. Für Händler aus dem Ausland ist ein deutscher Eingangspunkt fast immer günstiger als jede Eigenlösung.
- Sie wachsen. Prep-Kapazität, die Sie nicht selbst aufbauen, müssen Sie auch nicht wieder abbauen, wenn ein Produkt ausläuft.
- Saisonspitzen. Im Q4 kostet Sie jeder Tag, an dem die Ware nicht im FBA-Netz liegt, echten Umsatz.
Die Kosten, die niemand einplant
Der Posten, der beide Rechnungen kippt, taucht in keiner Tabelle auf: eine Sendung, die Amazon beanstandet.
- Ware, die falsch oder gar nicht etikettiert ankommt, kann Amazon kostenpflichtig nachbearbeiten – oder die Sendung wird beanstandet und Ihr Bestand ist tagelang nicht verkäuflich.
- Fehlende Erstickungswarnung, falsche Beutelstärke oder ein sichtbarer Herstellerbarcode sind Klassiker, die eine ganze Palette betreffen können – nicht eine Einheit.
- Im Q4 kostet eine verlorene Woche Verfügbarkeit oft mehr als die gesamte Prep-Rechnung des Jahres.
Welche Fehler das konkret sind und wie Sie sie vermeiden, steht ausführlich in unserem Beitrag Amazon-Wareneingang abgelehnt.
Fazit
Rechnen Sie nicht Prep-Preis gegen null, sondern Vollkosten gegen Vollkosten. Setzen Sie Ihre Stunde mit dem an, was sie in Ihrem Unternehmen tatsächlich wert ist, addieren Sie Material und Wege und legen Sie ein realistisches Risiko für Beanstandungen dazu. Bei kleinen Testmengen gewinnt fast immer das Selbermachen. Ab dem Punkt, an dem Prep regelmäßig Ihre Woche blockiert, gewinnt fast immer das Auslagern – nicht wegen des Preises pro Einheit, sondern wegen der Stunden, die Sie zurückbekommen.
Stand: 18. August 2026. Amazon ändert Anforderungen und Gebühren regelmäßig – maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung in Seller Central. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.